Silvan Schüpbach in Grönland: Neue Routen zwischen abgelegenen Fjorden und grossen Abenteuern

Fünf Wochen voller Entdeckungen und Kletterabenteuer in einer der wildesten Regionen unseres Planeten: Der Schweizer Alpinist Silvan Schüpbach war diesen Sommer gemeinsam mit Filippo Sala, Benjamin Bosshard und Jernej Kruder im Süden Grönlands unterwegs. Ziel der Expedition war es, abgelegene Wände zu erkunden und neue Routen in einer ebenso spektakulären wie anspruchsvollen Umgebung zu eröffnen.
Das Abenteuer begann Mitte Juli in den versteckten Fjorden der Region Kangikitsoq. Mit einem kleinen Schlauchboot legte das Team mehr als 200 Kilometer auf dem Meer zurück und musste dabei rauer See, schwierigen Wetterbedingungen, langen Wartezeiten und komplexen logistischen Herausforderungen trotzen. In Grönland liegt die grösste Herausforderung oft nicht im Klettern selbst, sondern bereits darin, die Wände überhaupt zu erreichen.
Nach mehreren Anläufen und einem langen Zustieg durch Sümpfe, dichtes Buschwerk und unwegsames Gelände gelang es Schüpbach und dem Slowenen Jernej Kruder, die neue Route „Sila“ an der Nordwestwand der Baroness zu eröffnen. Die rund 600 Meter lange Linie bietet Schwierigkeiten bis 7c und A2+. Wenige Tage später gelang dem Team eine weitere Erstbegehung an der über dem Dorf Aappilattooq gelegenen Marlilussat, wo sie eine rund 800 Meter lange Route eröffneten.
Im zweiten Teil der Expedition war Schüpbach gemeinsam mit Michaela Mooz unterwegs. Der Fokus lag nun auf langen, ästhetischen und qualitativ hochstehenden Routen im Torsukattak-Fjord. Zu den bedeutendsten Begehungen zählt dabei „Thalassaphobia“, eine höchstwahrscheinlich neue, rund 600 Meter lange Route mit Schwierigkeiten bis 7a an der beeindruckenden „Orange Wall“. Der Name der Route, der „Angst vor dem tiefen Meer“ bedeutet, spielt auf die ständige Sorge an, das Boot zu verlieren und in einer der abgelegensten Regionen Grönlands gestrandet zu sein.
Laut Schüpbach ist die Felsqualität rund um Aappilattooq aussergewöhnlich. Wären da nicht die aufwendige Logistik und das unberechenbare Wetter, könnte sich die Region zu einem der besten Ziele für alpines Abenteuerklettern weltweit entwickeln. Eine Expedition, die Entdeckergeist, Freundschaft, Erstbegehungen und die Faszination des vertikalen Abenteuers auf eindrucksvolle Weise vereinte.


Fotos: Silvan Schüpbach



