Silvan Schüpbach hat eine neue Route an der Nordwestwand des Klein Fiescherhorns (Ochs) eröffnet.

Vom 8. bis 10. März 2026 eröffnete Silvan Schüpbach, Athlet von New Rock Sport, zusammen mit Olivier Kolly und Filippo Sala eine neue Linie an der Nordwestwand des Klein Fiescherhorn, auch bekannt als Ochs, einer der grossen Wände der Berner Alpen.
Die rund 1100 Meter hohe Wand ist von Grindelwald aus gut sichtbar und wirkt aus der Ferne beinahe einladend. Bei näherem Hinsehen zeigt sie jedoch ihren ernsten Charakter: Im oberen Teil ist der Fels steil und oft brüchig, und die komplexe Struktur der Wand bietet nur wenige offensichtliche Linien.
Daher überrascht es nicht, dass es bisher nur eine Route an dieser Wand gab – eröffnet 1935 von Mäusy Lüthi und Hermann Steuri. Die erste Winterbegehung folgte erst 1981 durch Michael Boos und Patrick Hilber.
Das Projekt begann jedoch nicht wie geplant. Eine Woche vor der erfolgreichen Besteigung musste ein erster Versuch abgebrochen werden, nachdem Jonas Schild von Steinschlag getroffen wurde und eine Gehirnerschütterung erlitt. Der Vorfall zeigte einmal mehr, wie ernst diese Wand genommen werden muss.
Am Morgen des 8. März starteten Schüpbach, Sala und Kolly von der Bahnstation Eismeer und erreichten mit Skiern den Wandfuss. Der untere Teil der Wand erwies sich als überraschend gut kletterbar: Steiles Eis mit 60° bis 70° ermöglichte es dem Team, schnell an Höhe zu gewinnen. Etwa auf halber Höhe verbrachten sie die erste Nacht in einem Biwak bei einem Hängegletscher.
Am folgenden Tag wartete die Schlüsselpassage: rund 400 Meter sehr steiler, teilweise überhängender Fels. Eine diagonal nach links verlaufende Rampe bot die einzige realistische Möglichkeit zum Weiterkommen, allerdings auf sehr brüchigem Fels. Kolly übernahm die schwierigsten Seillängen und meisterte kompakte Platten mit Steigeisen sowie kleine Überhänge aus vereisten Blöcken.
Mit zunehmendem Wind und sich verschlechternden Wetterbedingungen entschied sich das Team, nicht direkt über die Wand zum Gipfel auszusteigen. Stattdessen querten sie kurz unterhalb des Gipfels nach rechts und erreichten den Grat etwa 40 Meter unterhalb des Gipfels des Klein Fiescherhorns.
Nach einer zweiten Biwaknacht auf der Südseite erreichte die Seilschaft am 10. März schliesslich den Gipfel. Anschliessend seilten sie über die gesamte Wand ab – eine lange und konzentrierte Abseilfahrt. Am Wandfuss warteten ihre Skier, mit denen sie nach Grindelwald zurückkehrten.
Für Schüpbach ist diese Besteigung die fünfte Wand seines Projekts „The 6 forgotten north faces of the Alps“, die vierte zusammen mit Sala und die zweite mit Kolly.
Als Symbol für diese Route wählte das Team einen Zébu, einen Buckelrind: Der „Ochse“ steht für den Namen der Wand (Ochs), während der Buckel an die Verletzung von Jonas Schild erinnert, der beim zweiten Versuch nicht dabei sein konnte.



