Gross Wellhorn: Erste vollständige freie Begehung der Route «Untergang der Titanen»

600 Meter Wand, 20 Seillängen und Schwierigkeiten bis 8a: Silvan Schüpbach und Janluca Kostner gelingt die erste vollständige freie Begehung der Route an der wilden Nordwand des Gross Wellhorns in den Berner Alpen.
Vom 23. bis 25. September 2026 gelang Silvan Schüpbach und Janluca Kostner die erste vollständige freie Begehung von «Untergang der Titanen» an der abgelegenen Nordwand des 3191 Meter hohen Gross Wellhorns.
Die rund 600 Meter lange Route umfasst 20 Seillängen und weist Schwierigkeiten bis 8a auf. Über weite Strecken bietet die Wand hervorragenden, soliden Fels. Die Absicherung besteht aus einer Kombination von Bohrhaken und mobilen Sicherungsmitteln. Das anspruchsvolle alpine Gelände verlangt neben ausgeprägten Kletterfähigkeiten auch Erfahrung, Orientierungssinn und Eigenverantwortung.
Eine Herausforderung über die gesamte Wandhöhe
Die Route wurde 2025 von Marco Malinowski, Benjamin Bosshard, Filippo Sala und Silvan Schüpbach erstbegangen. Dabei erschlossen sie eine Linie durch die weitgehend unberührte Nordwand des Gross Wellhorns.
Im September 2026 kehrten Schüpbach und Kostner zurück, um sämtliche Seillängen frei zu klettern. Die besondere Herausforderung liegt nicht allein in einzelnen schwierigen Passagen, sondern vor allem im konstant hohen Schwierigkeitsgrad über die gesamte Wandhöhe. Bereits der rund dreistündige Zustieg macht deutlich, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Sportkletterroute handelt.
Auch das Abenteuer abseits des Kletterns war ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmung. Während der Begehung verbrachten die beiden Alpinisten zwei Nächte auf einer schmalen Wandplattform. Solche Erlebnisse vertiefen die Verbindung zu einem Ort und machen den besonderen Charakter alpiner Unternehmungen aus.
Die nächste Generation am Fels
Für Schüpbach war die Tour auch eine Gelegenheit, mit einer neuen Generation ambitionierter Alpinisten unterwegs zu sein. Besonders die Zusammenarbeit mit Janluca Kostner aus Südtirol sowie die Begegnungen mit jungen Klettertalenten prägten das Erlebnis.
Die Bedingungen stellten zusätzliche Anforderungen: Nach einem aussergewöhnlich heissen Sommer herrschten an der Nordwand Ende September bereits winterliche Temperaturen mit Werten unter dem Gefrierpunkt.
Die Geschichte von «Untergang der Titanen» ist damit noch nicht zu Ende. Als nächste Herausforderung gilt die vollständige freie Begehung der 600 Meter langen Route an einem einzigen Tag. Die Linie ist erschlossen, die Felsqualität hervorragend – nun liegt es an der nächsten Generation, dieses Ziel anzugehen.
Fotos: Silvan Schüpbach




